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Was ist anders beim Hund ?
Vergleichen wir
das Nervensystem des Menschen mit dem des Hundes, wird sogleich
die eklatante Andersartigkeit deutlich. So etwa, wenn wir die Gewichtsrelation
von Gehirn und Rückenmark betrachten.
Beim Hund ergibt sich ein Verhältnis von 5:1 , beim
Menschen dagegen von 48:1 . Das bedeutet, unser Nervensystem ist viel zentraler
ausgelegt als das des Hundes. Aus Erfahrung wissen wir, daß der Hund nur begrenzt
befähigt ist, unterschiedliche Erfahrungswerte miteinander in Beziehung zu bringen
und daraus einen Schluß zu ziehen sowie danach zu handeln. Der Hund hat zudem
keine Zeitvorstellung wie Zukunft oder Vergangenheit, er lebt völlig in der Gegenwart.
Zwar hat er ein ausgezeichnetes Gedächtnis, das kleinste Details zu speichern
vermag, doch ist er nicht in der Lage, diese Details - im Sinne menschlicher Denkweise
- in einen logischen Zusammenhang zu bringen. Damit sind ihm einsichtige Denkvorgänge
weitgehend versagt. Dennoch vermag der Hund einfachere Handlungsabläufe in
Erinnerung zu behalten und auf ein für jeden Ablauf spezifisches, auslösendes
Signal hin zu wiederholen. Dabei bewegt sich ein Erinnern am sichersten von Detail
zu Detail, indem sich immer das eine mit dem ihm folgenden verknüpft hat.
Das, was man nicht nur aus der Kynologie Verknüpfung nennt, ist eine der Lernmöglichkeiten
des Hundes. Und eröffnet sich uns auch ein Weg zur Kommunikation mit ihm. Ein
Signal ( Hör- und/oder Sichtzeichen ) , das wir wiederholt mit einer spezifischen
Handlung einhergehen lassen, löst später im Hund diese Handlung aus. Auch hier
können Teile einer Handlungsabfolge auf die nächstfolgende als Auslöser wirken.
Es kommt nun aber noch hinzu, daß manche Verhaltensanteile im Hund je nach Veranlagung
erblich vorprogrammiert sind. So etwa das Suchen eines Objektes oder das Verfolgen
einer Fährte. In dieser Beziehung ( Suchtrieb und Riechleistung ) ist uns
der Hund weit überlegen, während ihm das Verarbeiten seiner Sinneseindrücke bedeutend
mehr Mühe macht als uns. In beiden Fällen müssen wir uns bei der Ausbildung entsprechend
verhalten. Was er ohnehin schon kann, sollten wir ihm nicht noch beibringen wollen,
sondern lediglich sorgfältig an unsere Bedürfnisse anpassen. Wo er jedoch
deutlich schwächer ist als wir, sollten wir seinem Auffassungsvermögen Rechnung
tragen, wollen wir ihn nicht überfordern. Es geht dabei sozusagen darum, uns so
zu benehmen, daß der Hund uns auf seine Weise ( in seiner Sprache ) verstehen
kann. Das setzt voraus, daß wir uns hineindenken in die Art und Weise, wie der
Hund seine Umwelt erlebt und wahrnimmt. Dabei dürfen wir auch jene Wahrnehmungsmöglichkeiten
des Hundes nicht außer acht lassen, die wir nur noch in geringerem Maße besitzen
als er. Dazu gehören sein ausgeprägtes Raumempfinden und sein Wahrnehmungs-vermögen
der Gefühlsstimmung, worin sich ein Rudelpartner befindet. Der Hund ist in
der Lage, unsere Stimmungen zu empfinden und entsprechend darauf zu reagieren.
Verstärkend wirkt hier sein unerhört genaues Beobachten unseres Verhaltens. Es
entgeht ihm dabei kein Detail, und ein jedes prägt sich ihm ein. Urs Ochsenbein
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